Die größte Gefahr sind wildernde Hunde

Was ändert sich, wenn der Wolf auf die Alb zurückkehrt? Dazu gab es beim NABU eine spannende und kontroverse Diskussion

 

Über kurz oder lang könnte sich Meister Isegrim auch in Baden-Württemberg wieder niederlassen. Deswegen muss sich zwar niemand fürchten, meinte Johannes Enssle, Wildtierexperte und Landesvorsitzender des NABU, bei einem gut besuchten Vortrag der Naturschutzorganisation in Zimmern. Eine besondere Herausforderung sei der Wolf aber für die Schäferei – und damit für die Landschaftspflege auf und an der Alb.

Nach Lösungen werde bereits jetzt gesucht.

 

Wölfe auf der Schwäbischen Alb – noch ist das eine Zukunftsvision, auch wenn Scherzbolde vor eineinhalb Jahren schon einmal „Wolfswarnschilder“ auf dem Rosenstein aufstellten. Irgendwann könnte sich der Wolf aber tatsächlich am Feldberg oder auf dem Albuch häuslich einrichten. Nach Enssles Einschätzung dürfte dies innerhalb der nächsten zehn Jahre geschehen.

Dass der Wolf und seine mögliche Rückkehr die Menschen beschäftigen, bezeugte schon die Zahl von 65 Zuhörern, die sich im Gasthaus Krone eingefunden hatten – darunter

einige Schäfer.

 

Die schrittweise Rückkehr des Wolfes in Gebiete, in denen er früher ausgerottet

war, sei zunächst ein Erfolg des Naturschutzes, über den man sich auch freuen

dürfe, sagte der neu gewählte Landesvorsitzende des NABU (Naturschutzbund

Deutschland) Baden-Württemberg. „Unser Land ist reich genug, um ein Raubtier,

das zu unserer Tierwelt gehört, wieder zuzulassen und die damit verbundenen

Kosten zu tragen.“ Viele Zuhörer stimmten dieser Einschätzung zu: In Sachsen

und Brandenburg, wo der Wolf schon seit der Jahrtausendwende wieder heimisch

ist, haben die Menschen das Zusammenleben mit dem Wolf wieder gelernt. Es gebe

verhältnismäßig wenige Konflikte, so einzelne Erfahrungsberichte.

Bedingung sei allerdings ein „Wolfsmanagement“, das auch die Kosten berücksichtige, die

Weideviehhaltern durch Schutz und eventuellen Verlust ihrer Tiere entstehen. Schafe

sind es vor allem, die vor dem Appetit des Beutegreifers geschützt werden müssen,

so Enssle. Dagegen hätten Menschen wenig von ihm zu befürchten, da sie nicht in

sein Beuteschema passen und ihm eher unheimlich seien.

 

„Die neun tödlichen Wolfsangriffe auf Menschen, die es seit 1950 in Europa gab, gingen

immer von tollwütigen Tieren aus oder von solchen, die man durch Fütterung an

den Menschen gewöhnt hat.“ Enssle, selbst aktiver Jäger, mahnte jedoch: „Der

Wolf ist kein Kuscheltier. Wenn er wieder zur heimischen Fauna gehört wird es

gewiss immer wieder vereinzelte Risse von Schafen und anderen Nutztieren geben.

Bei wiederholten Wolfsübergriffen kann es daher auch einmal notwendig werden, einzelne

Problemtiere abzuschießen, wenn mildere Maßnahmen zur Vegrämung nicht mehr

greifen.“

 

Dass die Schäfer die Ausbreitung des Wolfs mit großer Sorge erwarten, daran ließ Walter

Kirschbaum aus Bartholomä keinen Zweifel. Die Familie Kirschbaum pflegt mit

ihrer Herde die Wacholderheiden im Naturschutzgebiet Kaltes Feld und an anderen

Stellen am Albtrauf. „Für uns Schäfer wird es wirtschaftlich immer enger“, so

der Schäfer. „Wenn jetzt auch noch der Wolf kommt, kann das für viele das Ende

bedeuten.“

 

Schwerer als die meist wenigen erbeuteten Schafe wöge dabei die Gefahr, dass die Tiere bei einem Angriff in Panik aus dem Gatter brechen und auf Straßen oder Schienen

fliehen, erklärte Kirschbaum. Allerdings ist diese Bedrohung nicht völlig neu, wie

er einräumte. Schon jetzt seien wildernde Hunde für Schafherden die größte

Gefahr.

 

NABU-Chef Enssle unterstrich die enorme Bedeutung der Schäferei gerade für den

Naturschutz. „Ohne die Schäfer wären die Wacholderheiden und Magerrasen in

unserer Kulturlandschaft dem Untergang geweiht.“ Deshalb sei es unerlässlich,

dass Baden-Württemberg analog zu anderen Bundesländern einen staatlichen Entschädigungsfonds einrichte, sollte der Wolf hier wieder heimisch werden. Genauso wichtig sei es aber, alle Möglichkeiten zum Herdenschutz mittels Elektrozäunen und speziell

ausgebildeten Herdenschutzhunden zu nutzen. Weil im Südwesten die Hüteschäferei

vorherrsche, sei dies jedoch bei weitem schwieriger als in Nord- und

Ostdeutschland, wo Schafe auf der Koppel gehalten werden. Um schon jetzt

geeignete Schutzmaßnahmen zu entwickeln und in der Praxis zu erproben, arbeiten

die Naturschützer im Rahmen eines aus Landesmitteln geförderten Projekts eng mit

dem Landesschafzuchtverband zusammen.

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